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Interview mit Northern Art Music am 05.07.23

Hallo, da einige Leute kein Facebook mehr haben, hier das Interview mit Northern Art Music zum Nachlesen:




Hallo, magst Du Dich den Lesern von Northern Art Music vielleicht einmal kurz vorstellen. Ich bin Acey, die Frontfrau und Sängerin von KY, ich schreibe und co-produziere die Songs. Stephen ist mit zuständig für Sounds und beats und spielt live Schlagzeug. Das Projekt KY ist ganz neu, es bewegt sich Richtung tanzbaren Dark Elektropop, mit Einflüssen aus Rock und Industrial. Ich wollte einen Projektnamen, der kurz ist und harte Buchstaben enthält, weil das zu unserer Musik und meiner tiefen Stimme passt. Sowas wie NOX oder eben KY, was übersetzt "Kämpfer:in" heißt. Das erschien mir anhand meiner Lebensgeschichte passend.

Wie hat Deine Musikkarriere dereinst begonnen und welche Einflüsse haben dabei eine Rolle gespielt? Ich habe mir mit 15 Jahren das Gitarrespielen selbst beigebracht, als Konsequenz daraus, dass sich meine pubertären Hormone während des Solos von "Keep the faith" (Bon Jovi) unsterblich in den Gitarristen verliebt haben. Ich komme also eher aus dem Rock/Pop Bereich, habe aber auch schon immer Synthiepop gehört. Allen voran Depeche Mode (suprise!), später dann auch Mesh, De/Vision und Beborn Beton. Wie lief es generell in der Musik - Szene zu Deinen Anfängen so ab, gab es Kontakte mit anderen Bands oder Newcomern der Szene aus der Gegend, wann seid Ihr zum ersten Mal in der Öffentlichkeit aufgetreten, also erste Liveauftritte? Ich komme ursprünglich aus Bochum, meine Anfänge waren zu einer Zeit, als es den Begriff "Kulturhauptstadt" noch nicht gab. Wir haben auf allem gespielt, was Bretter und eine Steckdose hatte. Geprobt wurde in einem einsturzgefährdeten Bunker in Essen in einer sehr dubiosen Gegend. Unser erster Auftritt war bei hellstem Tageslicht bei einer kulturellen Begegnungststätte, vor kleinen Kindern und Eltern, die fragten, ob man das Schlagzeug leiser machen könne, ich hatte keine Monitorbox und habe alles konsequent einen Halbton zu hoch gesungen (wir hatten ja keine Ahnung und die Veranstalterin auch nicht). Später spielten wir dann u.a. auf einem Pferdeanhänger, wo der Bassist aus Platzmangel davor stehen musste (das macht einen bescheiden für ́s ganze Leben). Dann folgten kleinere Clubs. Da haben wir auch ein paar Mal Doppelkonzerte mit der Band von Kay und Casi von RRoyce gespielt. Wir kennen uns also schon an die 100 Jahre. Bitte erklärt den Lesern einmal das Konzept hinter Deinen Produktionen. Wie gehst Du an eine Produktion und wie lief der Arbeitsprozess ab? Meistens fängt es damit an, dass ich anfälliger für Metaphern, Stimmungen, "Bilder", englische Wörter oder Redewendungen werde. Dann setze ich mich irgendwann an die DAW und schustere erst einmal einen Bumm tschack beat als Grundlage zusammen, dann.. und da muss ich echt überlegen, weil es sich ab dem Moment anfühlt, als wäre ich automatisiert und nur noch ausführende Hand, suche ich einen Sound, der mich anspricht, ich probiere ein bisschen mit Harmonien rum, setze erstmal einen 08/15 Achtelbass drunter, fange schonmal an mitzusummen. Wenn der Song es einigermaßen trägt, singe ich eine Melodie in Kauderwelsch (spreche ich fließend) darüber ein. Dadurch verfeinere ich wiederum die Harmonien, passe Instrumente auf die Stimmung des Songs an, moduliere Sounds, kreiere einen Raum, je nach emotionalem Thema. Dadurch wird dann auch der Text/das Thema langsam präziser. Meist erkenne ich erst Monate später, für wen oder über was ich da genau geschrieben habe. Das ist für mich auch nach 20 Jahren ein absolut magischer Moment. Und so wächst alles Stück für Stück. Es baut immer mehr aufeinander auf. Wenn der Song einigermaßen im Grundgerüst steht und ausgeschmückt ist, kommt Steffen dazu und feilt mit an Sounds, Beats und Feinheiten, für die ich im kreativen Prozess zu ungeduldig war. Wenn wir dann soweit alles ausgearbeitet haben, geht's zu Krisz Árvai von Black Nail Cabaret, dem Fachmann und unserem Produzenten, der dem Ganzen dann noch den letzten Schliff gibt. Ich bin immer noch völlig starstruck, dass er mit uns zusammenarbeiten möchte. Wer macht das Cover Artwork bei Dir für Deine Veröffentlichungen? Das mache ich selber. Anfänglich aus finanziellen Gründen, habe ich mich mit Selbstauslöser selbst porträtiert. Das habe ich irgendwie dann aus praktischen Gründen beibehalten. Ich habe eine Zusatzausbildung zur Fotografin und Fotodesignerin, sodass mir die Grundlagen nicht fremd sind und ich die Bilder auch selber bearbeiten kann. Wie waren Deine künstlerischen Aktivitäten, wo sind Deine künstlerischen Wurzeln? Meine Oma hat immer viel gesungen. Zitat: "Ich habe stets am offenen Fenster gesungen - wer stehen geblieben ist, war in Ordnung.". Ich selber habe eben im Alter von drei Akkorden meinen ersten Song geschrieben "S.O.S. street of sadness" (was man halt so schreibt, als fröhlicher Teenager). Ich dachte, es sei das Normalste der Welt und dass jeder Songs schreiben kann. Mein erstes Projekt war ein Akustikduo mit einem Gitarristen. Beim zweiten Duo (Songs wurden auf einem der ersten Musikprogramme am PC aufgenommen) wurde über Umwege Herbert Grönemeyer auf uns aufmerksam. Ich traf ihn in Köln, wir klickten sofort und quatschten stundenlang . Ein super Typ! Aus dem Duo-Projekt wurde leider nichts, Herbert begleitete mich jedoch über Jahre beratend. Ich war ja noch ganz grün und musste erst einmal musikalische Erfahrungen sammeln. Und außerdem mein Leben auf die Kette kriegen. Das ist bis heute eine Mammutaufgabe. Wie hat sich die Band, aber auch Deine Musik seit Beginn zu heute verändert?

Kurzfassung: Die meiste Zeit meines musikalischen Lebens war ich in einer engen Beziehung mit meiner Akustikgitarre, bis wir uns 2018 auseinanderlebten und ich dann, dank Stephen, der mir sein MIDI Keyboard vor die Nase stellte und einer Veranstalterin, die mich als support für Kosheen haben wollte, 2019 eine feurige Liebesbeziehung mit der elektronischen Musik einging. Wir sind immer noch zusammen und sehr, sehr glücklich ;) Etwas genauer: Ich habe ein Jahrzehnt in Bochum in meiner eigenen Rockband Songs geschrieben, gesungen und Rhythmusgitarre gespielt, bin dann nach Berlin, habe eine Ausbildung zur Live-&Studiosängerin absolviert, mit Nebenfächern wie Klavier, Harmonielehre, Rhythmik und Gehörbildung uvm. Immer weiterhin live gespielt. Laut, leise, Cover, eigene Songs, alleine oder in Bands und Projekten. Als die Anfrage kam, ob ich für Kosheen im August 2019 eröffnen möchte, haben Stephen und ich gerade in einer 80er Jahre AKUSTIK Coverband gespielt. "English man in New York" oder "I just died in your arms tonight" mit Gitarre, Bass und Cajon vor einem Elektro Act? Mh... ich glaube eher nicht. Ich war aber kreativ gerade in einem Tief, hatte zu lange das Gleiche gemacht. Stephen stellte mir im Mai 2019 seinen Mac und ein MIDI Keyboard vor die Nase, stellte den Appegiator "Glass Motion" bei Garage Band ein und ich war sofort inspiriert. Von da an schrieb ich sechs Songs, produzierte sie, so gut ich das intuitiv konnte, mischte sie mit Kay von Rroyce an einem (sehr kaffeereichen und witzigen) Wochenende in seinem Studio, wir erstellten ein Bühnenoutfit und Makeup-Konzept. Es fühlte sich alles an wie "auf Schienen". Ich konnte spüren, dass das die Richtung war, für die ich eigentlich geboren war. Das Konzert war der Hammer (zu sehen auf der Homepage und bei youtube) und ich fühlte mich komplett erfüllt. Leider wuchs und streute zu der Zeit schon der Krebs in mir und als die Operationen, Chemos, Bestrahlungen und Behandlungen überstanden waren, kam zu Depressionen und Angstattacken auch noch eine kleine, feine weltweite Pandemie hinzu. All das hatte mich als Mensch udn Musikerin komplett ausgeknockt. Aber ich habe mich zurückgekämpft. :) Welche musikalischen Einflüsse gibt es für Dich, gibt es Vorbilder, woher nimmst Du Deine Inspiration? Ich komme schon eher aus dem poppigen Rockbereich, was man an und in meiner Stimme und den Kompositionen auch hört, denke ich. Früher hatte ich Sängerinnen und Sänger als Vorbilder. Seitdem ich selber produziere, weiß ich auch die Arbeit von Produzenten (leider habe ich noch keine weiblichen entdeckt) sehr zu schätzen. Mich haut vor allem zusammengefasst die kreative Verbindung von harten beats, Melodien, Sounds und Geräuschen "noises" gepaart mit einem gut geschriebenen Text/Geschichte/Stimmung oder Gefühl in einer ästhetischen Produktion, um. Meine Inspiration ist, zumindest in den bisher geschriebenen Songs, meine eigene Geschichte. Ich verarbeite in meinen Songs meine toxische Kindheit, Depressionen, seelischen und körperlichen Schmerz, meine Krebserkrankung & -behandlung und die daraus entstandenen Angst- & Panikattacken. Für die Technikfreaks unter uns, mit welchen Instrumenten, DAW´s etc arbeitest Du? Ich singe in ein Neumann P48, das über das Focusrite 18 i20 in meinen Mac und dann in Logic geht, wo ich die Songs auch schreibe und produziere. Stephen hat noch Hardware, die er in unsere Songs einfließen lässt, u.a. Bass station 2 von Novation, Korg ER-1, Korg EA-1, Novation Circuit Tracks, Roland E-Drums. Wir machen das ja auch "so richtig" erst seit knapp 2 Jahren. Gibt es Künstler, mit denen Du gern einmal auftreten würdet? Ich finde Duette und Kollaborationen immer sehr spannend, ob live oder auf Platte. Wie sieht es mit Videos aus - ist das für Dich wichtig Clips zu den Tracks für z.B. Youtube und andere Kanäle zu produziert? Sehr sogar. Das ist für mein fotografisches Herz und Auge und auch für meine Künstlerseele inhaltlich sehr wichtig. Ich finde die Kombination aus auditiven und visuellen Elementen wahsninnig spannend und mächtig. Darin gehe ich auch sehr auf und sehe meistens schon ein komplettes Video mit Storytelling im Kopf. Ich habe ein tolles Team an Menschen, die an mich und meine Musik glauben und Bock haben, gute Videos dazu zu produzieren. Wir sind gerade in der Planung für das zweite Video.

Hast Du schon Auftritte im Ausland absolviert? Wenn ja, wo hat es Dir am besten gefallen? Wie gefallen Dir Festivals? Ich habe mal in Spanien gelebt und irgendwann besoffen in einer Bar mit der Gitarre gejammt. Zählt das als Auslandsgig? Wahrscheinlich eher nicht. ;) Also im Ausland leider noch nicht, fände ich aber spannend. Festivals? Immer her damit! Ich mag die Vielfältigkeit der Bands, aber auch die des Publikums. Was sind Deine „All Time Heroes“ im heimischen Plattenregal? Sehr gemischt. Ich könnte jetzt die üblichen Verdächtigen oder coole Namen aufzählen, tatsächlich höre ich aber schon immer meistens das, was mich in meiner momentanen Stimmung gerade abholt und das variiert stark. Was außer Musik bereichert noch Dein Leben, außergewöhnliche Hobbys oder Filme, Bücher etc? Es gibt ein Leben außerhalb der Musik? ;) Ich bin ein Waldmädchen, also optimalerweise in der Natur, mit Wind- oder Regengeräuschen in den Bäumen, Wasser in der Nähe, mit einem Campervan und Hündin Frau Gerlach unterwegs, ohne Zivilisation oder Navi. Und zum Schluss - Was können wir noch von Dir in 2023 erwarten, was planst Du noch? Oh, einiges. Jetzt kommt erstmal am 21.07. meine erste Single "grey room" raus, mit Remixen von Rroyce, Beborn Beton und einem Rob Dust Mix. Warum mich das zum Dauergrinsen bringt, steht weiter oben. Der zweite Song wird gerade von Krisz fertiggestellt, der dritte liegt seit gestern in seinem Postfach. Es gibt noch etwa 10 weitere fertige Songs. Das landet alles nach und nach auf den streaming Portalen. Uns ist bewusst, dass wir komplett unbekannt sind. Deswegen wollen wir konstant Songs liefern und uns in dem Algorithmus-Dschungel immer wieder durchdrängeln um uns dem Publikum vorzustellen. Außerdem sind acht Songs komplett good to go und live einsetzbar. Das Booking steht also demnächst an. Wir haben SO Bock, live zu spielen. Steffen spielt seitwärts im Stehen Schlagzeug, es gibt ein Outfit und Makeup Konzept, wir toben uns also auch visuell aus und können es kaum erwarten, ein breiteres Publikum in unsere "Welt" einzuladen. Vielen Dank, das Du Dir die Zeit genommen hast für das Interview. Wir wünschen Dir alles Gute für die Zukunft und bleib gesund. Gleichfalls! Das wünsche ich Euch und Euren Lesern auch! Danke Daniel für die Einladung und Euren Lesern für's "Zu-lesen". Bis hoffentlich bald live und in Farbe da draußen irgendwo!



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