Ganz "einfach": Bei sich bleiben. (de/eng)
- Acey Jee

- vor 6 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Hallo Ihr Lieben, Acey hier.

Es ist verrückt was sich im Kopf so für Gedanken/Zweifel bilden können. Letztes Jahr haben wir ungefähr um diese Zeit unser Album "dark chapters" rausgebracht. Das erste eigene Album. Als ich die Songs geschrieben und produziert habe, bin ich arglos daran gegangen. Ich war teils noch in so tiefen Tälern, dass ich froh war, wenn ich gerade aus gucken und mir alles von der Seele schreiben konnte. Ich hatte gar keine Kapazitäten, nach rechts oder links zu schauen. Andere Produktionen, Shows, Sounds oder Künstler:innen hatte ich nicht so im Ohr oder Blick.
Jetzt sieht es anders aus. Es geht mir besser, ich bin mehr unterwegs, tiefer eingetaucht in die schwarze Szene, habe viele Musikliebhaber:innen vor, auf und hinter der Bühne kennengelernt, viele Gespräche geführt. Ich habe angefangen, mir die anderen Acts der Szene genauer anzuhören und -schauen. Habe viele neue Eindrücke, Insprirationen, Emotionen kennengelernt. Viele Acts finde ich aus den verschiedensten Gründen richtig gut und zack kommt der Gedanke - geil, ich will auch so fett, mysteriös oder spannend klingen! Oder eben anders herum: ich will nicht wie viele klingen. So. Und nun kommen die neuen Songs um die Ecke und bei elektronischer Musik gibt es zig Möglichkeiten, welche Richtung man einschlagen möchte. Minimalistisch wie Elektro? Bombastisch wie Future Pop? Kreativ wie Industrial? Atmosphärisch wie Post Punk? Energetisch wie Techno?
Und dann die Fans... was wollen sie? Wie können wir sie weiterhin begeistern, abholen und überzeugen? Interessanterweise sind es die Balladen, zu denen die Zuhörer:innen nach Konzerten am meisten Feedback geben. Also mehr Balladen? In der Szene ja eher nicht so vertreten. Aus Gründen, die ich sehr gut nachvollziehen kann, denn auch ich lasse mich gern von starken, treibenden beats mitreißen. Aber warum dann "save me", "not in love", "I surrender"? Weil sie autobiographisch sind? Das sind bei KY fast alle Songs. Alle Texte, sind aus meinen Gedanken geformt. Erlebnisse, Ängste, Traumata, Ereignisse, Entwicklungen in der Welt, die mich beschäftigen, inspirieren, verärgern oder bewegen. Kein "I love you so much, I miss your touch". Okay, das bleibt auch so, da bin ich klar. Aber wie verpacke ich den Inhalt musikalisch?
Vor dieser Herausforderung stehe ich gerade. Und dann, in einem starken Moment, denke ich: "Stop. Wenn ich Erwartungen anderer erfüllen will, verliere ich mich im Außen. Man kann ja auch nicht von allen alle Erwartungen erfüllen. Genauso wenig wie man von allen gemocht werden kann." Was will ich? Ich will mich in der Form künstlerisch und musikalisch ausdrücken, wie ich es fühle. Aber ist das tanzbar? Ist das chartstauglich? Funktioniert das live? Band XY machen das so und YZ wiederum das. Und da ist sie wieder - die Falle des "sich vergleichens", des "im Außen sein". Ne! Man sollte unbedingt bei sich bleiben. Warum sollte ich wie viele andere klingen wollen? Davon gibt´s ja eben schon viele andere. Aber sie benutzen die "Erfolgsformel". Einen bestimmten Sound, den man kennt, die fette Basslinie, die einen zum tanzen zwingt, diese eine Akkordprogression, die IMMER funktioniert (Musikerwitz: mein Name ist Denz. Volker Denz.). Neues ist fremd, Bekanntes altbewährt, bequemer, garantierter. Für Musiker:innen UND Konsument:innen.
Boah, wirklich nicht einfach in diesen lauten, fremden Gedanken aus dem Außen noch die eigenen zu hören, die vielleicht auch erstmal noch wachsen müssen. Warum ich das teile? Weil ich Euch mit in meinen Kopf und in mein Herz nehmen möchte. Weil ich solche Berichte als junge Musikerin auch gern gelesen hätte. Weil ich es wichtig finde, in Zeiten von social media und KI transparent und authentisch zu sein. Weil es das ist, was mich gerade beschäftigt. Weil es ein Thema ist, das sich auf so viele andere Bereiche übersetzen lässt. Bleibt bei Euch. Hört auf Eure eigene Stimme.
Um es mit den Worten von Oscar Wilde zu sagen:
"Be yourself. Everyone else is already taken."
It's "simple": Stay true to yourself.
Hi everyone, Acey here.










